
Leif Hahn: Unsere Probleme liegen in der Intensität und Geschlossenheit gegen den Ball
Stürmisch wie das Wetter präsentiert sich momentan die Gemengelage um den Heider SV. Das sportliche Aushängeschild der Westküste ist nach zwei deftigen Niederlagen beim SV Eichede (1:5) und zuletzt beim Oldenburger SV (0:4) in schweres Fahrwasser geraten und sucht dringend nach Stabilität. Unter den vielen Anhängern der Dithmarscher rumort es bereits deutlich nach dem Rutsch in die untere Tabellenhälfte. Eine weitere Minusleistung sollte der Heider SV am kommenden Samstag im Heimspiel gegen Phönix Lübeck II tunlichst vermeiden, denn die könnte für eine noch negativere Stimmung im Umfeld wirken. Anpfiff im HSV-Stadion an der Meldorfer Straße ist um 14.00 Uhr. Hoffnung macht aber, dass die Rückkehr von zwei ganz wichtigen Spielern unmittelbar bevorsteht.

Mathis Harms hat das Zeug zum Unterschiedsspieler. © 2026 Volker Schlichting
Die Phönix-Reserve wartet in der Flens-Oberliga seit sieben Spielen auf einen Sieg; darunter waren aber auch vier Remisspiele. Der letzte Erfolg resultiert vom 22. August, als man sich mit 2:1 bei der Kaltenkirchener TS durchsetzen konnte. Aber der Sieg in Kaltenkirchen sowie das 2:2-Remis beim FC Kilia Kiel mit der Unterstützung von sechs Spielern aus dem Regionalligakader werden vom SHFV noch in eine Niederlage umgewandelt, da Phönix in beiden Begegnungen jeweils einen nicht spielberechtigten Spieler eingesetzt hat. Dennoch bleibt Phönix II ein brandgefährlicher Gegner. Immerhin hatte die Mannschaft von Trainer Björn Joppe das Kunststück fertiggebracht, bisher als einzige Mannschaft dem Titelfavoriten Holstein Kiel II beim 4:3-Erfolg eine Niederlage zuzufügen.

Trainer Leif Hahn und der Heider SV brauchen dringend ein Erfolgserlebnis. © 2026 Volker Schlichting
Nach dem Abschlusstraining am Donnerstag befragte YouKick Trainer Leif Hahn ausführlich zu seiner Spielidee und wie weit die Mannschaft bisher die Vorgaben verinnerlichen konnte.
Es ist immer öfter zu vernehmen, der Heider SV habe nur ein Spielsystem, das auf viel Ballbesitzfußball ausgelegt ist und das die Mannschaft nur bedingt umsetzen kann. Wie stehst du dazu und wie variabel spielt ihr tatsächlich?
Natürlich wollen wir den Ball haben und das Spiel aktiv gestalten. Entscheidend ist dabei, sowohl gegen hoch pressende Gegner als auch gegen tief verteidigende Mannschaften Lösungen zu finden. Wir sind taktisch durchaus variabel. Das haben beispielsweise die Spiele gegen TSB Flensburg, PSV Neumünster, Kilia Kiel, die erfolgreich waren, aber auch das Spiel in Oldenburg gezeigt, in denen wir unterschiedliche Systeme gespielt haben. Unsere Prinzipien mit Ball bleiben dabei systemunabhängig überwiegend gleich. Dass die Mannschaft diese nicht umsetzen kann, sehe ich überhaupt nicht so. Unsere aktuellen Herausforderungen liegen vielmehr im Spiel gegen den Ball.

Auf Torjäger Hendrik Fleige ist mit bereits 6 Toren Verlass. Hier gegen Tolas Shamzin vom Oldenburger SV. © 2026 Volker Schlichting
Vor allem die vielen Gegentore, oft in kurzer Abfolge, führen wiederholt zu deutlichen Niederlagen, was sich in der Tordifferenz deutlich widerspiegelt. Fehlen dir für den Fußball, den du (ihr) spielen wollt, vielleicht in Summe die Spielertypen, um das erfolgreich umzusetzen?
Ich bin mit der Qualität und den Spielertypen unserer Mannschaft absolut zufrieden. Wir haben Spieler, die mit dem Ball gute Lösungen finden und sich regelmäßig klare Torchancen herausspielen. Genau darum geht es uns: Durch Ballbesitz, gute Positionierungen und trainierte Abläufe wollen wir die Wahrscheinlichkeit hochwertiger Torchancen erhöhen, statt uns auf Zufallsprodukte durch lange Bälle zu verlassen. Wir haben eine junge Mannschaft, die sich definitiv auch noch entwickeln soll und darf.
Unsere Probleme liegen aktuell nicht in der Spielidee oder den Spielertypen, hier sind wir gut aufgestellt, sondern in der Intensität und Geschlossenheit gegen den Ball. Nach einer Phase defensiver Stabilisierung haben wir dort zuletzt Rückschritte gemacht. Das müssen und werden wir gemeinsam verbessern.

Auf eine gute Form von Fabian Arndt wird es in den nächsten Wochen ankommen. © 2026 Volker Schlichting
Dem Heider SV sitzen drei Kontrahenten im Nacken mit nur einem Zähler Abstand. Wie könnte es gelingen, ohne die Mannschaft taktisch zu sehr in ein Korsett zu zwingen, gegen Phönix Lübeck II wieder in die Erfolgsspur zu kommen?
Wir sind bisher gut damit gefahren, auf uns selbst zu schauen. Von außen werden oft hohe Ziele formuliert, zuletzt beispielsweise immer wieder das Hallenmasters. Natürlich sind wir ambitioniert und wollen größtmöglichen Erfolg, intern gehen wir unsere Aufgaben aber bewusst demütig, realistisch und sachlich an.
Wir wissen selbst am besten, dass die letzten beiden Auftritte nicht gut waren. Wir analysieren uns sehr kritisch und arbeiten intensiv daran. Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass wir in den sieben Spielen zuvor einen deutlichen Aufwärtstrend gezeigt haben – mit fünf Oberliga- und zwei Pokalspielen, in denen wir als Mannschaft geschlossen aufgetreten sind und ungeschlagen geblieben sind.
Unsere wichtigste Aufgabe ist jetzt, wieder Konstanz und defensive Stabilität zu entwickeln. Dafür brauchen wir kein taktisches Korsett, sondern mannschaftliche Geschlossenheit, Intensität und Leidenschaft gegen den Ball. Wenn wir das auf den Platz bringen und gleichzeitig unseren Prinzipien treu bleiben, bin ich überzeugt, dass wir gegen Phönix erfolgreich sein können.
Eine Frage zur Personallage: Wie ist der Stand bei Christopher Buchtmann und Patrick Storb?
Bei Christopher Buchtmann und Patrick Storb geht es erfreulicherweise voran. Beide steigen wieder ins Mannschaftstraining ein. Das ist natürlich eine positive Entwicklung für uns.
Geschäftsführer Hannes Nissen vom Heider SV sagte zur aktuellen Lage. „Gegen Phönix wird es sicher kein leichtes Spiel. Eine junge, gut ausgebildete Mannschaft mit eventueller Unterstützung aus der Regionalliga. Wir wollen morgen einiges wieder gut machen, das ist klar. Wir haben ein Heimspiel und werden bereit sein.“
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