Kilia Kiel startet furios und muss nach 4:0 gegen VfB Lübeck II etwas zittern
Der FC Kilia Kiel hat seine Offensivstärke eindrucksvoll unter Beweis gestellt, sich den Heimsieg gegen den VfB Lübeck II aber unnötig schwer gemacht. Nach vier Treffern, jeweils ein Doppelpack der starken Akteure Felix Niebergall und Marc Schwabe, in den ersten 21 Minuten gewann der Tabellendritte das Oberligaduell mit 4:2 (4:2). Die Lübecker U21 kämpfte sich noch vor der Pause zurück und gestaltete die zweite Halbzeit ausgeglichen.
Vier Tore in 21 Minuten: Kilia überrollt Lübeck
Die sechs Treffer der Begegnung fielen wie folgt:
1:0 – Schon nach noch nicht mal 30 Sekunden führen die Kilianer. Ein Befreiungsschlag entwickelt sich zum Hochkaräter, als Marc Schwabe im direkten Duell auf Höhe des VfB-Mittelkreises gegen Kevin Majewski durchsetzt und aus ca. 14 Metern überlegt und flach den Ball an Keeper Louis Siefert vorbei schiebt.
2:0 – Nach Vorarbeit von rechts von Drilon Trepca kann Marc Schwabe am Torraum eigentlich schon selbst direkt abschließen. Kilias Stürmer legt ein paar Meter zurück zu Felix Niebergall, der vom Elfmeterpunkt rechts einschießt.
Der gute Keeper Louis Siefert (VfB Lübeck) hat beim Abschluss von Felix Niebergall (Kilia Kiel) zum 2-0 keine Abwehrmöglichkeit gehabt © 2026 Ismail Yesilyurt
3:0 – Auch für den nächsten Treffer ist Niebergall verantwortlich, der ein perfektes Zuspiel von rechts von Selim Cetintürk in den Strafraum ins lange Eck veredelt.
4:0 – Kevin Majewski, der nach seinen Schwierigkeiten mit Marc Schwabe von rechts nach links als Innverteidiger versetzt worden ist, verhält sich etwas ungeschickt. Nach einem Abschluss von Drilon Trepca aus spitzem Winkel, den Keeper Siefert abwehrt, versucht Majewski den Ball am Torraum abzublocken, anstatt die Situation zu bereinigen. Schwabe spritzt dazwischen und schießt aus 6 Metern ein. Kurz darauf erlöst VfB-Coach Oliver Strutzky seinen Abwehrspieler von seinem rabenschwarzen Tag durch die Einwechslung von Serhii Filimonenko.
Marc Schwabe (Kilia Kiel), hier gegen Maris Boll (VfB Lübeck II), war in der ersten Halbzeit von den Lübeckern nicht zu fassen. © 2026 Ismail Yesilyurt
4:1 – Maximilian Aberger erzielt mit einem trockenen Schuss aus dem Strafraum.
4:2 – Das schönste Tor des Spiels. Jaromir Grimm und Jonas Dühnfort spielen sich über die linke Seite perfekt bis zur Grundlinie durch. Den Querpass von Grimm muss Jordan Marquardt nur noch reinschieben.
Kilia nutzt mit Tempo und Spielwitz VfB-Lücken aus
Die Kieler setzten damit ihre spielerische Qualität und ihr Tempo gegen einen Gegner durch, der eigentlich mit einer intensiven, hohen Spielweise dagegenhalten wollte. Kilia fand nach die richtigen Lösungen gegen das erwartete aggressive Anlaufen der Lübecker und nutzte die sich bietenden Räume konsequent.
„Ich glaube, wir spielen eine unfassbare erste Halbzeit und zumindest 35 Minuten eine sehr, sehr gute“, sagte Kilia-Coach Nicola Soranno. Seine Mannschaft habe genau das auf den Platz gebracht – abgeleitet aus der Trainingsarbeit und dem Matchplan.
Lübecks Aufholjagd macht die Partie wieder spannend
Doch nach dem furiosen Auftakt verlor Kilia zunehmend die Kontrolle. Der VfB Lübeck II ließ sich vom deutlichen Rückstand nicht entmutigen und nutzte Nachlässigkeiten in der Kieler Defensive. Das Brainstorming der Lübecker Spieler nach dem 0:3 im Kreis auf dem Kunstrasenplatz brachte den Erfolg mit dem zwei Anschlusstreffern zum 2:4. Zwei Chancen, zwei Tore – effektiver geht es nimmer.
Plötzlich versprach die Begegnung wieder mehr Spannung im zweiten Abschnitt. Aus einem scheinbar sicheren Kantersieg war eine Partie geworden, in der Kilia um die drei Punkte kämpfen musste.
Yannik Jakubowski (Kilia Kiel) hat Jonas Dühnfort (VfB Lübeck II) im Zweikampfmodus fest im Blick. © 2026 Ismail Yesilyurt
Soranno ärgerte sich über das Laissez-faire seiner Mannschaft: „Nach dem 4:0 hat man, glaube ich, geglaubt, dass man das jetzt so runterspielen kann.“ Dabei habe er seine Spieler ausdrücklich gewarnt. Gerade eine junge Mannschaft wie die Lübecker U21 gebe sich unabhängig vom Spielstand nicht auf, weil sich jeder einzelne Spieler weiterentwickeln wolle.
„Dann spielst du es unnatürlich spannend“, fasste der Kilia-Trainer den Verlauf zusammen. Zur Pause hätte es aus seiner Sicht angesichts der Chancen und des Spielverlaufs deutlich höher stehen können.
Selim Cetintürk (36.), Felix Niebergall (37.) und zwei Mal Marc Schwabe (39.) können den 4:1-Sack noch dicker machen. Doch Lübecks junger Keeper Louis Siefert avanciert mit guten Paraden zum besten VfBer auf dem Platz.
Stutzky sieht Lübeck nach schwierigem Start auf Augenhöhe
VfB-Trainer Oliver Stutzky machte keinen Hehl daraus, dass seine Mannschaft zunächst deutlich unterlegen gewesen war. „Die ersten 20, 25 Minuten sind wir gut unter die Räder gekommen“, erklärte er und zollte dem Gegner Respekt: Kilia verfüge über „unfassbare Qualität“ und habe die Schwächen der Lübecker eiskalt ausgenutzt.
FREUNDschaftliche Umarmung von Marcel Freund (Kilia Kiel) mit Orgen Marashi (VfB Lübeck II) in einem sehr fairen Spiel. © 2026 Ismail Yesilyurt
Der frühe Rückstand machte es der U21 zusätzlich schwer, ins Spiel zu finden. Nach den schnellen Kieler Treffern fehlten zunächst jene Erfolgserlebnisse, die einer jungen Mannschaft Selbstvertrauen geben können. Mit zunehmender Spielzeit fanden die Gäste jedoch besser in die Partie.
Stutzky hatte das Gefühl, dass für seine Mannschaft bei einem besseren Start mehr möglich gewesen wäre. „Wir sind gut reingekommen ins Spiel, machen zwei super Tore“, sagte er mit Blick auf die Reaktion seines Teams. Auch die zweite Halbzeit bewertete der VfB-Coach positiv: Nach den ersten 20 Minuten sei die Leistung „richtig gut und wirklich zufriedenstellend“ gewesen.
Kilia verpasst die Entscheidung nach der Pause
Nach dem Seitenwechsel gelang es den Kielern nicht, an die Dominanz der Anfangsphase anzuknüpfen. Der VfB Lübeck II blieb im Spiel und suchte seine Chance, während Kilia den Vorsprung verwaltete. Abgesehen bis auf wenige Ausnahmen, u. a. durch Kilias Drilon Trepca (49.) sowie Lübecks Jordan Marquardt (50.) und Elias Al Sadi (56.), blieben beide Seiten ohne Durchschlagskraft.
Soranno sah bei seiner Mannschaft nicht mehr den Fußball, der in der ersten halben Stunde den Unterschied ausgemacht hatte. Den Schalter habe sein Team nicht mehr richtig umlegen können. Gleichzeitig betonte Der Heimcoach, dass Kilia in der zweiten Halbzeit auch nicht mehr allzu viel zugelassen habe.
Für Stutzky war der Auftritt nach dem frühen Rückschlag ein positives Signal, weil seine Mannschaft im weiteren Verlauf mindestens auf Augenhöhe oder einen Tick besser agierte. Die Gastgeber spielten zu diesem Zeitpunkt mit dem Feuer bei starkem Regen. Auch wenn die defensive Ordnung stimmte. Ein weiterer Treffer und ...
Drei Punkte im Rennen um das Lotto Masters
Unterm Strich durfte Kilia Kiel den siebten Saisonsieg feiern. Einen verdienten. Für Soranno zählte vor allem das Ergebnis, auch wenn er mit dem Umgang seiner Mannschaft mit der komfortablen Führung nicht zufrieden war. Die Nachlässigkeiten seien teilweise eine Kopfsache gewesen, räumte er ein. Nach einem solchen Start dürfe man einen Gegner aber nicht wieder ins Spiel kommen lassen.
Gleichzeitig ordnete er den Erfolg in den Saisonverlauf ein. Bereits in der Vorwoche gegen Eckernförde habe seine Mannschaft über weite Strecken ordentlich gespielt. Nun gehe es darum, die Leistung noch konsequenter über die gesamte Spielzeit abzurufen.
Auch mit Blick auf die Qualifikation für das begehrte Indoor-Spektakel Lotto Masters in knapp drei Monaten vor 8.700 Zuschauern in der Merkur Ostseehalle besitzt der Oktober für Kilia große Bedeutung. Mit Satrup und Rapid stehen noch wichtige Aufgaben an. „Wenn wir die erfolgreich gestalten, dann sind wir automatisch dabei“, erklärte Soranno, dessen Team danach gegen Holstein Kiel II die Hinrunde abschließt. Der Sieg gegen Lübeck bringt die Kieler diesem Ziel näher, offenbarte aber auch Ansatzpunkte für die kommenden Wochen.
Der VfB Lübeck II nahm trotz der Niederlage ebenfalls Erkenntnisse mit. Der frühe Rückstand war letztlich zu groß, um noch etwas Zählbares mitzunehmen. Die Reaktion nach dem 0:4 dürfte Stutzky, der mehr Freude denn Frust mitnahm, dennoch Mut machen für einen möglichen Abstiegskampf nach dem sofortigen Wiederaufstieg in Schleswig-Holsteins höchste Spielklasse..
Stimmen zum Spiel
FC Kilia Kiel: Tom Pachulski – Yannik Jakubowski, Ove Witt, Berat Ayyildiz – Marcel Freund (46. Luca Senger) – Drilon Trepca, Jannis Voß, (82. Paul Meseberg), Felix Niebergall (58. Tino Klein), Marvin Müller, Selim Cetintürk (71. Jan Matti Seidel) – Marc Schwabe (76. Kevin Kortum)
Trainer: Nicola Soranno
VfB Lübeck II - U21: Louis Siefert – Leo Zerbe, Kevin Majewski (22. Serhii Filimonenko), Torben Sachau, Mariss Boll (46. Bosse Heinemeyer) – Maximilian Aberger (84. Paul Yeboah-Boateng), Julian Seitz (71. Timm Steiner), Jaromir Grimm – Jordan Marquardt, Orgen Marashi (46. Elias Al Sadi), Jonas Dühnfort
Trainer: Oliver Stutzky
Schiedsrichter: Tim-Marvin Meyer (TuS Hartenholm) mit sehr guter und angenehmer Spielleitung
Assistenten: Nic Ströhnisch, Philip Zeich
Zuschauer: 80
Tore: 1:0 Marc Schwabe (1.), 2:0 Felix Niebergall (4.), 3:0 Felix Niebergall (12.), 4:0 Marc Schwabe (21.), 4:1 Maximilian Aberger (33.), 4:2 Jordan Marquardt (42.)
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