Rotenhof dreht hektische Partie in Überzahl – und verspielt den Sieg
Thies Buetow (li.) nach dem 1:1-Ausgleich gegen die Kaltenkirchener TS. © 2026 Markus Till

Rotenhof dreht hektische Partie in Überzahl – und verspielt den Sieg

von Ismail Yesilyurt·24. Oktober 2026

Nach einer schwachen Vorstellung rettet der TuS Rotenhof gegen die Kaltenkirchener TS ein 2:2 (0:0). Zwei Standardtore bringen die Gastgeber zwischenzeitlich in Führung, doch die Gäste schlagen in Unterzahl zurück. Trainer Henning Knuth findet anschließend deutliche Worte.

Vier Tore, eine Rote Karte und reichlich Hektik: Das 2:2 (0:0) zwischen dem TuS Rotenhof und der Kaltenkirchener TS am 14. Spieltag der Flens-Oberliga Schleswig-Holstein hatte insbesondere in der zweiten Halbzeit einiges zu bieten. Vor 146 Zuschauern und bei schwierigen Witterungsbedingungen schienen die Rotenhöfer eine lange Zeit enttäuschende Vorstellung durch zwei späte Treffer noch in einen Heimsieg verwandeln zu können. Doch die Gäste bewiesen Moral und sicherten sich in Unterzahl einen verdienten Punkt.

„Das war unsere schlechteste Saisonleistung. Wir waren überhaupt nicht da, nicht im Kopf, überhaupt nicht anwesend“, fand Rotenhofs Trainer Henning Knuth nach dem Abpfiff deutliche Worte. Sein Fazit fiel entsprechend ernüchternd aus: „Wir können froh sein, dass wir hier heute überhaupt noch einen Punkt mitgenommen haben.“

Kalte

Felix Struck (TuS Rotenhof) mit einem Abschluss. © 2026 Markus Till

Kaltenkirchen spielbestimmend, Rotenhof mit der besten Chance

Dabei hatten sich die Gastgeber nach der deutlichen 0:5-Niederlage beim Spitzenreiter Holstein Kiel II einiges vorgenommen. Zuvor war Rotenhof mit fünf Siegen in Folge bis auf den fünften Tabellenplatz geklettert. Gegen die im unteren Tabellendrittel angesiedelte Kaltenkirchener TS sollte die Rückkehr in die Erfolgsspur gelingen.

Doch davon war zunächst wenig zu sehen. Die Gäste erwiesen sich von Beginn an als die spielerisch bessere Mannschaft. Mit technisch sauberem Kombinationsfußball und einem auffälligen Malte Pietsch, der immer wieder Angriffe einleitete, bestimmte Kaltenkirchen über weite Strecken das Geschehen. Allerdings gelang es der Mannschaft von Trainer Martin Genz zunächst kaum, aus ihrer Überlegenheit zwingende Torchancen zu entwickeln.

Die beste Gelegenheit des ersten Durchgangs hatten vielmehr die Gastgeber. Nach einem Angriff über die rechte Seite kam Struck aus halbrechter Position in etwa 13 Metern Entfernung zum Abschluss. KTS-Torhüter Adler reagierte aufmerksam und wehrte den Ball mit dem Fuß ab. Es sollte die einzige nennenswerte Rotenhofer Torchance bis zum Seitenwechsel bleiben.

Ansonsten blieb Rotenhof offensiv weitgehend harmlos. Beide Mannschaften hatten auf dem rutschigen Untergrund immer wieder Standprobleme, sodass zahlreiche Angriffe bereits vor dem entscheidenden Zuspiel endeten. Trotz der optischen Überlegenheit Kaltenkirchens ging es torlos in die Pause.

„Bis zur roten Karte war Kaltenkirchen die deutlich bessere Mannschaft aus meiner Sicht. Wir haben Glück, dass wir nur ein Gegentor bekommen haben“, räumte Knuth später ein. Auch sein Gegenüber Martin Genz sah die Vorteile aufseiten seiner Mannschaft: „Ich glaube, dass wir 75 Minuten lang die bessere Truppe waren.“

Platzverweis bringt die Wende

Nach dem Seitenwechsel wurde es hektisch. Zunächst gelang Kaltenkirchen die Führung. Hinz brachte die Gäste in der 61. Minute mit 1:0 in Front. Für Rotenhof drohte nach der deutlichen Niederlage in Kiel der nächste Rückschlag.

Die entscheidende Wendung nahm die Partie in der 73. Minute. Kaltenkirchens Jeschke sah nach einem groben Foulspiel an TuS-Kapitän Felix Knuth die Rote Karte. Eine Entscheidung, die Gästetrainer Genz auch nach dem Schlusspfiff heftig kritisierte. Aus seiner Sicht war der Platzverweis äußerst fragwürdig.

Nach diesem Foul an Felix Knuth (TuS Rotenhof gibt es die Rote Karte für Jeschke (Kaltenkirchener TS). © 2026 Markus Till

Für Rotenhof eröffnete sich dagegen unverhofft die Gelegenheit, eine bis dahin schwache Vorstellung doch noch zu korrigieren. Knuth hatte bereits kurz zuvor mit offensiven Wechseln regiert und unter anderem Mats Henke und Moritz Gersteuer gebracht. Vor allem Henke sollte mit seinem linken Fuß und gefährlichen Hereingaben noch entscheidenden Einfluss nehmen.

In der 76. Minute gelang dem ebenfalls eingewechselten Bütow der Ausgleich zum 1:1. Nur sechs Minuten später war die Partie endgültig gedreht: Gersteuer traf zum 2:1 (82.). Beide Rotenhofer Treffer resultierten aus Standardsituationen, bei denen Henke seine Qualitäten als Vorbereiter unter Beweis stellte.

„Immer wenn er den Ball auf dem linken Fuß hatte und dann in den Sechzehner geschlagen hat, lobte Knuth seinen Offensivmann. „Er hat auch die beiden Standards reingebracht. Das war das Gefährlichste, was wir heute zu bieten hatten“, so Knuth.

Goldmann bestraft Rotenhofs Nachlässigkeit

Doch selbst die Führung in Überzahl brachte keine Ruhe in das Spiel der Gastgeber. Nur vier Minuten nach dem 2:1 nutzte der eingewechselte Goldmann eine unzureichend geklärte Situation zum 2:2-Ausgleich (86.).

„Wir müssen den Ball klären, kommen nicht richtig hin und kriegen dann so das 2:2“, ärgerte sich Knuth über das Defensivverhalten seiner Mannschaft. Zugleich erkannte er die Qualität des Abschlusses an: „Den haut er natürlich auch gut rein.“

Kaltenkirchen hatte damit trotz Unterzahl noch einmal zurückgeschlagen und sich für eine über weite Strecken überzeugende Leistung belohnt.

Genz zeigte sich insbesondere mit der Moral seiner Mannschaft zufrieden. Seine Spieler seien nach dem zwischenzeitlichen Rückstand zurückgekommen und hätten sich den Ausgleich mehr als verdient. Deutlich weniger zufrieden war der Gästetrainer mit der Spielleitung. Neben dem Platzverweis kritisierte er auch ein aberkanntes Tor seiner Mannschaft und sprach von teilweise willkürlichen Entscheidungen.

Am Ende überwog bei beiden Trainern die Erkenntnis, dass die Punkteteilung unter den gegebenen Umständen akzeptabel war – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Während Kaltenkirchen einem möglichen Auswärtssieg nachtrauerte, musste Rotenhof eingestehen, dass der Punktgewinn angesichts des Spielverlaufs eher glücklich zustande gekommen war.

Nach der zweiten Begegnung ohne Sieg in Folge erhöht der TuS sein Punktekonto auf 23 Zähler. Kaltenkirchen steht nach dem Remis bei zwölf Punkten. Für die Rotenhöfer gilt es nun, schnellstmöglich zu jener Stabilität zurückzufinden, die der Mannschaft zuvor fünf Siege hintereinander beschert hatte.

TuS Rotenhof: Quincke – Lahrs (46. Ohm), Rathmann, Billerbeck, Braun – Knuth, Berg – Struck (70. Jacob), Nielsen (62. Bütow), Grothkopp (70. Henke) – Fiebelkorn (70. Gersteuer).

Trainer: Henning Knuth.

Kaltenkirchener TS: Adler – L. Pietsch, Jensen, Mügge, Siemßen (78. Zimmermann) – Jeschke, Jueidi, Soder – Hinz, M. Pietsch, Spreitzer (69. Goldmann).

Trainer: Martin Genz.

Schiedsrichter: Tim Jeschkeit (Barkelsbyer SV).

Assistenten: Schmeling, Rieckmann.

Zuschauer: 146.

Rote Karte: Jeschke (73., KTS, grobes Foulspiel).

Tore: 0:1 Hinz (61.), 1:1 Bütow (76.), 2:1 Gersteuer (82.), 2:2 Goldmann (86.).

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