2:2 zwischen Kilia Kiel und Phönix II: Wer lässt zwei Punkte liegen?
Kapitän Felix Niebergall (Kilia Kiel), hier gegen Joshua Krüger (re., 1. FC Phönix Lübeck II), leitete aus der Mittelfeldzentrale die Überfälle mit ein. © 2026 Ismail Yesilyurt

2:2 zwischen Kilia Kiel und Phönix II: Wer lässt zwei Punkte liegen?

von Ismail Yesilyurt·27. September 2026

Der FC Kilia Kiel und der 1. FC Phönix Lübeck II haben sich in einer abwechslungsreichen Oberliga-Partie mit 2:2 (1:1) getrennt. Kilia hatte vor allem im ersten Durchgang zahlreiche gute Möglichkeiten, musste nach der Pause aber eine starke Phase der Lübecker überstehen. Nach dem 1:2-Rückstand kämpfte sich die Mannschaft von Nicola Soranno zurück und hatte in der Schlussphase sogar noch die Chance auf den Sieg.

Drilon Trepca belohnt Kilias Chancenplus

Von Beginn an war die Marschroute der Gastgeber zu erkennen. Aus einem kompakten Mittelfeldpressing heraus setzte Kilia immer wieder zu schnellen, überfallartigen Angriffen an und brachte die nicht sattelfeste Restverteidigung der Lübecker in Bedrängnis.

So tauchte in der 18. Minute Tino Klein frei vor Phönix-Keeper Christopher Barkmann auf, der den Flachschuss zur Ecke parieren konnte. Nur eine Minute später wurde es erneut gefährlich: Nach einem Eckball von links köpfte Jannis Voß den Ball quer zur Torlinie einen halben Meter entfernt, ehe Silas Meyer unmittelbar klären konnte.

Auch die Gäste hatten wenige Möglichkeiten, doch Kilia blieb zunächst die gefährlichere Mannschaft. In der 29. Minute belohnte sich die Soranno-Elf schließlich für ihren Aufwand. Nach einer scharfen Hereingabe von Drilon Trepca hatte Marvin Müller den Ball aus kurzer Distanz nicht richtig getroffen. Wenig später machte es Trepca selbst besser. Der Flügelflitzer dribbelte sich in den Strafraum und schloss aus halbrechter Position stramm zum 1:0 ins linke Eck ab.

Hier hat Christen Mensah (Phönix Lübeck II) gegen Drilon Trepca (Kilia Kiel) aufgepasst und ist schneller am Ball. © 2026 Ismail Yesilyurt

Phönix gleicht trotz Kilias Chancenübergewicht aus

Doch statt mit einem deutlichen Vorsprung in die Pause zu gehen, kassierten die Gastgeber noch den Ausgleich. Die Lübecker kombinierten sich vor dem Strafraum durch, Joshua Krüger setzte sich gegen die Kilia-Abwehr durch und schob den Ball flach zum 1:1 ins rechte Eck. Gemessen an den Spielanteilen war der Ausgleich nicht unverdient, aus Sicht der Kieler allerdings ärgerlich angesichts der Vielzahl an Möglichkeiten.

Der Ärger über die Chancenverwertung war Kilias Cheftrainer Nicola Soranno deutlich zu hören. Ein paar Mal schepperte die Auswechselbank. „Wir müssen in der ersten Halbzeit vier, fünf Tore schießen“, sagte Soranno. Auch nach der Pause habe seine Mannschaft „zwei, drei Situationen, wo wir alleine vor dem Tor stehen“.

El Shaikh dreht die Partie

Der zweite Durchgang begann für Kilia denkbar ungünstig. Nach einem hohen Ball von Tom Becker in Richtung Kilia-Strafraum setzte sich Malek El Shaikh mit einer Körperbewegung gegen den ungeschickt agierenden Louis Drews durch und blieb im direkten Duell mit Tom Pachulski cool. Und traf in der 48. Minute zum 2:1 für die Gäste.

Malek El Shaikh (1. FC Phönix Lübeck) brachte sein Team mit 2-1 in Führung. © 2026 Ismail Yesilyurt

Damit geriet Kilia für eine längere Phase aus dem Rhythmus. Die Fehlpassquote stieg, der zuvor so klare Spielfluss ging verloren. Gleichzeitig bekam Phönix zunehmend Räume und hatte Möglichkeiten, die Führung auszubauen.

Kilian Skolik, El Shaikh und Omar Rahimic verpassten zwischen der 61. und 74. Minute gute Gelegenheiten. Besonders brenzlig wurde es nach dem Abschluss von El Shaikh, als Pachulski beim vermeintlich sicheren Treffer mit einer starken Fußabwehr rettete.

„Nach dem 2:1 haben wir die Riesenchance zum 3:1, 4:1 und 5:1“, ärgerte sich Phönix-Trainer Björn Joppe, der mit einigen U23-Kicker aus dem Regionalliga-Team angetreten war später über die vergebenen Möglichkeiten.

Voß sorgt für den Ausgleich

Kilia fand schließlich wieder zurück in die Partie. Ab etwa der 70. Minute übernahm die Heimelf wieder mehr Initiative und belohnte sich. Jannis Voß, der zu den auffälligsten Spielern der Begegnung gehörte, fasste sich ein Herz und jagte den Ball aus rund 22 Metern mit einem wuchtigen Schuss halbhoch unter die Latte. Barkmann war machtlos, Kilia hatte zum 2:2 ausgeglichen.

Für Soranno war die Reaktion seiner Mannschaft ein wichtiger Punkt. „Wir haben insgesamt gut verteidigt, insgesamt nicht allzu viel zugelassen“, bilanzierte der Kilia-Coach. Was seiner Mannschaft erneut fehlte, war allerdings die Konsequenz vor dem gegnerischen Tor.

Duell der beiden beiden Sechser mit Marvin Freund (Kilia Kiel) und Robie Seibt (li., 1. FC Phönix Lübeck II). © 2026 Ismail Yesilyurt

Offener Schlagabtausch bis zum Schluss

Nach dem Ausgleich entwickelte sich in der Schlussphase ein offener Schlagabtausch. Beide Mannschaften wollten den Sieg, die taktische Ordnung rückte zunehmend in den Hintergrund.

Kilia kam dabei noch einmal näher an den dritten Treffer. Tom Warncke verfehlte in der 86. Minute mit seinem schwächeren rechten Fuß das Tor. In der letzten der vierminütigen Nachspielzeit wurde es dann noch einmal dramatisch.

Lucas Groß und Marvin Müller hatten eine Doppelchance zum 3:2. Zunächst parierte Barkmann gegen Lucas Groß, anschließend warf sich Silas Meyer in den Nachschuss von Marvin Müller auf das halbleere Tor und verhinderten den möglichen Kilia-Sieg.

Beide Trainer hadern mit vergebenen Chancen

Am Ende konnten beide Mannschaften mit dem Punkt leben, auch wenn auf beiden Seiten das Gefühl blieb, mehr möglich gehabt zu haben.

„Ich glaube, wir hätten einen Sieg verdient gehabt, jetzt hast du einen Punkt“, sagte Soranno. Seine Mannschaft habe über weite Strecken „die bessere Mannschaft“ gestellt, sich aber erneut die mangelnde Chancenverwertung ankreiden lassen.

Auch Joppe sah die Partie ähnlich wechselhaft. „Erste Hälfte hatte Kiel ja ein bisschen mehr vom Spiel“, räumte der Phönix-Coach ein. Nach der Pause habe seine Mannschaft die Partie dagegen entscheiden können. „Mit dem allerersten Schuss, der aufs Tor kommt, kriegen wir das 2:2.“

So blieb nach 90 intensiven, interessanten und spannenden Minuten ein 2:2, das den Spielverlauf durchaus widerspiegelte. Kilia dürfte sich angesichts der Chancen vor allem über zwei verlorene Punkte ärgern, während Phönix II nach der starken zweiten Halbzeit ebenfalls einem möglichen Sieg hinterher trauerte.

Stimmen zum Spiel

FOTOGALERIE FOLGT

  • FC Kilia Kiel: Tom Pachulski – Yannik Jakubowski, Louis Drews (85. Lucas Groß), Paul Meseberg – Marcel Freund (70. Tom Warncke) – Drilon Trepca, Jannis Voß, Felix Niebergall, Marvin Müller – Marc Schwabe, Tino Klein (62. Kevin Kortum)

  • Trainer: Nicola Soranno

  • 1. FC Phönix Lübeck II: Christopher Barkmann – Louis Jamil Grobauer, Silas Meyer, Tom Becker, Christen Mensah (46. Perry Dodod) – Omar Rahimic (84. Leon Dippert), Robie Seibt (70. Andrii Shalabai), Joshua Krüger (59. Astemir Boziev) – Mika Meyer, Kilian Skolik, Malek El Shaikh

  • Trainer: Björn Joppe

  • Schiedsrichter: Jannes Flaszynski

  • Assistenten: Leon Andresen, Lea Sophie Wolter

  • Zuschauer: 190

  • Tore: 1:0 Drilon Trepca (29.), 1:1 Joshua Krüger (36.), 1:2 Malek El Shaikh (48.), 2:2 Jannis Voß (76.)

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